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Corona und Job: Wie geht es Arbeitnehmern in der Pandemie?

2021-04-14T16:25:59.860Z

Die einen bekommen eine Prämie von der Chefin, wenn Sie sich impfen lassen. Andere fürchten um ihren Job. Eine Umfrage zeigt, wie unterschiedlich Firmen in 34 Ländern mit der Coronapandemie umgehen.



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Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Homeoffice hier, Testpflicht da: Auch, wo keine Geschäfte geschlossen bleiben, leidet die Wirtschaft unter der Coronapandemie. Denn Arbeitsstätten sind Orte möglicher Ansteckungen, und wer als Vorgesetzter oder Chefin auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter wirklich achtgibt, hat derzeit alle Hände voll zu tun.

Wie kommt das bei den Arbeitnehmern an? Wie fühlen sie sich in diesen verrückten (Arbeits-)Zeiten?

Das wollte das Zeitarbeitsunternehmen Randstad für sein halbjährliches Arbeitsbarometer wissen, das dem SPIEGEL vorab vorliegt. In 34 Ländern wurden Angestellte mit mindestens 24 Stunden Wochenarbeitszeit von dem Marktforschungsinstitut Dynata befragt.

Die Teilnehmer wurden unter anderem gefragt, ob sie auch in der Pandemie an ihren Arbeitsort kommen müssen. In den meisten westlichen Industriestaaten oder auch in Polen bejahten diese Frage zwischen 60 und 70 Prozent der Befragten. In China, wo Covid-19 zumindest laut offiziellen Angaben unter Kontrolle ist, waren es 95 Prozent. Überraschender ist die Lage in Indien, wo knapp 80 Prozent der Beschäftigten zur Arbeit gehen, obwohl das Land nach wie vor ein Corona-Risikogebiet ist.

Allerdings hat ja auch nicht jeder Arbeitnehmer die Wahl – viele Tätigkeiten lassen sich nicht von zu Hause aus am Computer erledigen. Der Anteil der Befragten, die das von ihrem Job sagen, liegt in allen Ländern bei etwas mehr als der Hälfte, in Schweden und Indien sind es sogar zwei Drittel. Das zeigt aber auch: Es gibt offenbar fast überall noch Arbeitnehmer, die man zusätzlich ins Homeoffice schicken könnte, wenn es die nächste Infektionswelle erfordert. Einzig in Schweden liegt diese Zahl zwei Prozentpunkte höher als die aller zur Anwesenheit Verpflichteten – eine Abweichung in der Größenordnung des statistischen Standardfehlers.

Der Zwang, sich dem Corona-Risiko auszusetzen, empfinden viele Arbeitnehmer als große Belastung; eine andere Sorge ist die, den Job zu verlieren. Zwar gewähren die meisten untersuchten Länder Wirtschaftshilfen in irgendeiner Form, um Firmen und Beschäftigte vor den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu schützen. Doch all diese Programme sind endlich, und wie sich die veränderten Märkte und Konsummöglichkeiten langfristig auswirken, ist ungewiss. Kurz: Die Hilfen werden enden, die Probleme wahrscheinlich nicht.

In Indien fürchtet daher jeder Zweite, das er arbeitslos werden könnte, und auch in Deutschland ist das für ein Viertel der Befragten eine begründete Angst. Auffallend besser schneidet hier Österreich ab, nur 11 Prozent berichten dort von Sorgen um den Arbeitsplatz.

Ungleich verteilt ist auch die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, wenn das zur Voraussetzung gemacht würde, den eigenen Beruf weiter auszuüben. In China und Indien würden sich in diesem Fall über 90 Prozent für die Impfung entscheiden, in Österreich nur 64 Prozent.

Viele fühlen sich ohne eine Impfung der eigenen Kolleginnen und Kollegen auf der Arbeit aber auch nicht sicher. Das gilt für 80 Prozent der indischen Arbeitnehmer, aber nur für 43 Prozent in Österreich.

Drängen denn die Chefs unter diesen Vorzeichen auch auf eine Impfung? In Indien beantworten drei Viertel diese Frage mit Ja, in Deutschland dagegen nur 17 Prozent, in Frankreich gar 9 Prozent. In Deutschland ist so eine berufliche Impfpflicht allerdings auch nur mit einer sehr guten Begründung rechtlich haltbar.

Etwas anderes ist es, wenn die Arbeitgeber sich ins Zeug legen, um eine Impfung schmackhaft zu machen, etwa mit einer Prämie. Das Modell ist offenbar in China sehr verbreitet, wo 81 Prozent von solchen Programmen berichten. In Deutschland und auch anderen europäischen Staaten liegt diese Größenordnung bei einem Drittel. Schweden sticht hier mit 63 Prozent hervor.

Vermutlich dürfte Corona in vielen Betrieben das Verhältnis zwischen Arbeitnehmerinnen und Vorgesetzten verändern, je nachdem, wer sich für die Gesundheit der Mitarbeiter ins Zeug legt und wem kurzfristige Einsparungen wichtiger sind. Das Ergebnis: Rund die Hälfte der weltweit befragten Arbeitnehmer möchte angesichts der Corona-Erfahrungen langfristig bei der jetzigen Firma bleiben – in Deutschland ist es genau die Hälfte. Und auch hier sticht Österreich hervor, wo der Anteil gar über 60 Prozent liegt.

Source: spiegel

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