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Mit dem Wohnzimmer aufs Wasser: In der Corona-Pandemie boomt die Nachfrage nach Hausbooten

2021-04-14T16:52:48.325Z

Die Nachfrage nach individuellen Rückzugsorten wächst seit Jahren, neben Tiny Häusern und Campern boomen auch die Hausboote. Wer früh investiert hat, wird in der Pandemie belohnt. BereichLesen Sie hier das Videotranskriptaufklappen Denise Fernholz, Hausbootbesitzerin: »Wir fahren! Endlich!« Endlich wieder Urlaubsfeeling, trotz Pandemie Möglich macht das: ein Hausboot. Im Hausboothafen Hamburg an der Süderelbe werden solche Boote hergestellt, verkauft, vermietet. Bei Hausbooten ist es ganz ähnlich wie bei Tiny Houses oder Campervans: Die Nachfrage steigt, die Branche boom



BereichLesen Sie hier das Videotranskriptaufklappen

Denise Fernholz, Hausbootbesitzerin:
»Wir fahren! Endlich!«

Endlich wieder Urlaubsfeeling, trotz Pandemie Möglich macht das: ein Hausboot.

Im Hausboothafen Hamburg an der Süderelbe werden solche Boote hergestellt, verkauft, vermietet. Bei Hausbooten ist es ganz ähnlich wie bei Tiny Houses oder Campervans: Die Nachfrage steigt, die Branche boomt schon länger.

Und wer hier investiert hat, der wird jetzt belohnt. Denn wo könnte man sich isolierter zurückziehen als auf einem Boot?

So geht es auch Denise und Frederik Fernholz. Anfang 2020 haben sie sich mit dem Kauf von Wilma einen kleinen Traum erfüllt. Und zwar einen Traum in perfekter Lage.

Denise Fernholz, Hausbootbesitzerin:
»Ja und hier ist unser Wohnzimmer, das wird gern auch als Wintergarten bezeichnet, weil es so viele Fenster hat. Und hier verbringen wir eigentlich die meiste Zeit, weil man hier auch den schönsten Ausblick hat direkt auf den Strand. Ist natürlich nicht der Elbstrand.«
Frederik Fernholz, Hausbootbesitzer:
»Doch.«
Denise Fernholz, Hausbootbesitzerin:
»Ja, es ist auch ein Elbstrand. Aber nicht der Elbstrand.«

28 Quadratmeter Innenfläche bietet das Boot. Genug Platz für alles Wichtige: Einen Wohnraum. Ein Bad. Ein Bett – mit Stauraum.

Denise Fernholz, Hausbootbesitzerin:
»Da haben wir einen kleinen Getränkekühlschrank, wo auch mehr reinpasst als wir gedacht haben. Das reicht auf jeden Fall für so eine Woche.«

Und eine Küche.

Denise Fernholz, Hausbootbesitzerin:
»Hier haben wir einen Gaskocher mit zwei Flammen. Normalerweise würde die Spüle funktionieren, die ist im Winter kaputt gegangen, aber das wollen wir heute noch reparieren.«

Denn eins ist klar: Ein Projekt bleibt so ein Hausboot sehr lange, auch wenn man denkt, längst mit allem fertig zu sein.

Frederik Fernholz, Hausbootbesitzer:
»Es ist ja auch Holz, Holz gibt immer Witterung und so nach. Wir werden immer irgendwas haben. Aber es ist ja immer so, bei normalen Booten und beim Hausboot auch. Sobald es ein Boot ist, ist es immer eine Sache, wo du immer was machen musst. Ich habe letztens mit Leuten auch gesprochen: Hast du ein Boot, hast du auch Probleme, musst immer was machen. Das ist einfach so. Aber das ist bei einem Haus glaube ich auch nicht anders.«

40.000 Euro haben die beiden für das Hausboot bezahlt. Nochmal mehr als 20.000 Euro haben sie in Renovierungen und Verbesserungen gesteckt. Hinzu kommen laufende Kosten für Strom oder Frisch- und Abwasser.

Aber auch wer sich das nicht leisten kann oder will, hat die Chance auf einen Hausboot-Urlaub. Zumindest in normalen Zeiten. Der kleine Hafen dient auch als Vermittler zwischen Eignern und möglichen Mietern.

Aber: Aktuell ist die Vermietung ausgesetzt, aufgrund der Corona-Regeln, ähnlich wie bei Ferienhäusern.

Seit gut zwei Jahren betreiben Michael Oehmcke und Jan-Oliver Seiler den Hafen mittlerweile. Sie haben die eigene Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Michael Oehmke, Hausboothafen Hamburg:
»Es ist total toll, wenn du nach der Arbeit ins Boot steigst und nochmal ein paar Stunden auf der Elbe verbringst. Das ist einfach unglaublich schön. Und man ist dann auch im Kopf wieder weit weg von der Arbeit. Es fühlt sich an wie so ein kleiner Kurzurlaub.«

Trotz Corona liegt der Betrieb nicht still. Denn hier werden auch neue Hausboote gebaut und verkauft, und das möglichst ökologisch, aus heimischem Holz.

Michael Oehmke, Hausboothafen Hamburg:
»Die Philosophie dahinter ist, einen möglichst geringen Fußabdruck zu hinterlassen und möglichst so zu bauen, dass man erstens was dauerhaftes baut, was lange erhalten bleibt und zweitens, wenn es die Haltbarkeit überschritten hat, gut verwendet werden kann.«

Aktuell sitzt das Team im Harburger Hafen an einem 13-Meter-Boot, in ökologischer Bauweise.

Michael Oehmke, Hausboothafen Hamburg:
»Hartholz, Holznägel, Druckluft, diesdas.«

Auf dem Dach gibt es eine Solaranlage. Die kann später erweitert werden, gleiches gilt für den Energiespeicher. Und auch die Wärmedämmung ist besonders. Die erfolgt mit Hilfe von Holzfasern aus Sägewerkabfällen. Sie werden zu Fasern und dann zu Matten weiterverarbeitet.

Michael Oehmke, Hausboothafen Hamburg:
»Das verbauen wir, weil es eben ökologisch ist und ein weiterer Vorteil ist: Die enthalten Salze und durch die Salze ist es auch nicht brennbar. Das heißt, man stellt auch den Brandschutz damit ganz gut sicher. Man sieht ja auch, wir verbauen nicht die dünnste Dämmung. Also die Hausboote sind entsprechend dick gedämmt, sodass man auch im Winter das muckelig warm kriegt, wenn man das möchte.«

Aber die Pandemie beeinflusst auch die Herstellung. Denn das Material ist teurer geworden – und kommt oft verspätet. So verzögert sich der Bau dieses Hausboots um etwa einen Monat.

Weil sie das Boot nicht vermieten können, fehlen Denise und Frederik Einnahmen zur Refinanzierung des Hausboots. Dafür können sie es aber jederzeit nutzen. Für Denise war der kurze Ausflug die erste Fahrt mit Wilma.

Denise Fernholz, Hausbootbesitzerin:
»Ich bin sehr fasziniert. Das hat sich das letzte Jahr eher wie ein Haus angefühlt. Und jetzt ist es ein bisschen so, als würde man mit der eigenen Wohnung durch die Gegend fahren. Das ist ein lustiges Gefühl.«

Um das Boot zu fahren, braucht man einen Bootsführerschein – weil es die Grenze von 15 PS überschreitet. Und komplett umziehen ins Hausboot dürften Denise und Frederik nicht. Dafür ist der Hafen nicht ausgelegt. Außerdem ist Wilma ein Sportboot und das kann in Hamburg in der Regel nicht mit eigener Meldeadresse angemeldet werden. Aber so gibt es immerhin die Chance für die gelegentliche Auszeit auf dem Wasser.

Und sobald es die Corona-Regeln wieder erlauben, haben auch Mieter die Chance für einen möglichst sicheren Kurzurlaub. Denn einfacher als auf einem Hausboot wird Social Distancing kaum.

Source: spiegel

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