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Corona-Chaos bei Ikea: App-Zwang im Möbelhaus - Kunden sauer: „Dann sitz‘ ich lieber auf Bananenkisten“

2021-04-15T15:20:00.514Z

Der Möbelriese Ikea will das Einkaufen sicherer machen und setzt zur Kontakt-Verfolgung auf die Luca-App. Doch bei einigen Fans der Schweden kommt das gar nicht gut an. Jetzt tobt ein Shitstorm im Netz.



Der Möbelriese Ikea will das Einkaufen sicherer machen und setzt zur Kontakt-Verfolgung auf die Luca-App. Doch bei einigen Fans der Schweden kommt das gar nicht gut an. Jetzt tobt ein Shitstorm im Netz.

Berlin - Die Luca-App polarisiert. Manche wie Rapper Smudo von den Fantastischen Vier halten die Corona-App zur Kontaktnachverfolgung für einen Heilsbringer und rühren kräftig die Werbetrommel. Andere wie Datenschützer und IT-Sicherheitsexperten halten die App für überflüssig, untauglich und gefährlich. Sie schlagen Alarm, auch weil Ikea die App scheinbar zur Pflicht macht. Braucht man wirklich Luca, um an Billy, Klippan und Co. zu kommen?

Das schwedische Einrichtungshaus preschte inmitten der Luca-Debatte als eine der ersten Handelsketten vor und nutzt die App jetzt zur Corona-Kontaktnachverfolgung beim Möbelkauf vor Ort. Das machen auch Apollo-Optik, die Buchhandelskette Thalia und Galeria Karstadt Kaufhof, teils schon bundesweit. Einen Shitstorm bekam aber nur Ikea. Denn hier wird die Nutzung der Luca-App in einigen Filialen zur Pflicht. Eine Checkliste auf Ikeas Website sagt klipp und klar, was man beispielsweise für einen Besuch in der Filiale Berlin-Tempelhof braucht: Covid-19-Test, FFP2-Maske – und Luca App.

App-Pflicht bei Ikea? Einrichtungshaus erntet wegen Luca-App Shitstorm

Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten und fiel teils wenig schmeichelhaft aus. „Nein danke, Ikea!“, twittert ein User und übergibt sich virtuell mit drei entsprechenden Emojis. „Bevor ich mir diese unsichere RotzApp auf das Smartphone installiere um in einen Ikea Laden zu kommen, würde ich eher auf Bananenkisten sitzen“, schreibt ein anderer. Jetzt rudert das blau-gelbe Einrichtungshaus halbherzig zurück. „An den Standorten, an denen wir die Luca-App implementiert haben, prüfen Mitarbeitende vor Betreten des Einrichtungshauses, ob die App und damit die Kontaktnachverfolgung aktiviert und gewährleistet ist“, erklärt Ikea dem Spiegel, verweist auf lokale Verordnungen und Beschlüsse und erklärt, dass Mitarbeiter den Check-in per Luca kontrollieren. Aber ist die App nun wirklich Pflicht?

Nein, sagt Ikea: Sollte es Kunden nicht möglich sein, ihre Kontaktdaten digital über die Luca-App zu erfassen, würde man entsprechend der lokalen Vorgaben alternative Registrierungsmöglichkeiten anbieten, beispielsweise Kontaktdatenblätter. Auf der Ikea-Website ist davon aber nach wie vor und allen Aufschreis zum Trotz nichts zu lesen. Stattdessen steht dort: „An einigen Standorten ist nun auch die Registrierung und Nutzung der Luca App verpflichtend.“ Ikeas Umgang mit der App-Pflicht wirft also mindestens Fragen auf – genau wie die App an sich.

Luca-App bei Ikea, Thalia und Co.: „Nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen“

Datenschützer fordern schon länger Nachbesserungen bei der Luca App. Im Kern zielt die Kritik auf die zentrale Speicherung der Daten im Luca-System ab. Die Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) forderte heute darüber hinaus, keine weiteren Steuermittel mehr für die Luca-App auszugeben. Club-Sprecher Linus Neumann verwies auf eine „nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen“. Die App wird derweil eifrig weiter beworben und ausgebaut.

In Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Saarland, Bayern, Sachsen-Anhalt und Hamburg wurden nach Recherchen des Portals Netzpolitik.org insgesamt 20 Millionen Euro Steuergelder in ihre Entwicklung und Anbindung an die Gesundheitsämter gepumpt.

Luca-App bei Ikea im Einsatz: Datenschützer schlagen Alarm

Wenn Neumann von „Sicherheitsproblemen“ spricht, meint er Schwachstellen bei den Luca-Schlüsselanhängern, auf die Datenschutz-Aktivisten kürzlich verwiesen haben. Diese Anhänger sind für Menschen ohne Smartphone gedacht und mit einem QR-Code versehen. Wer diesen QR-Code scannt, könne künftig unter falschem Namen einchecken und einsehen, wo sich die entsprechende Person aufgehalten hat, kritisierte Neumann und verwies auf Recherchen, die im Netz unter dem Titel „Lucatrack“ veröffentlicht wurden. «Die Schwachstelle ist offensichtlich und unnötig. Sie zeugt von einem fundamentalen Unverständnis grundlegender Prinzipien der IT-Sicherheit“, sagt der CCC-Sprecher.

„Lucatrack“ ist nicht der einzige Hashtag, den die Luca-Entwickler, das Berliner Start-up neXenio, wohl nicht gerne in den Twitter-Trends sehen. Seit Luca vergangene Woche in die Schlagzeilen geraten war, weil ZDF-Moderator Jan Böhmermann die App austrickste und mithilfe eines abfotografierten QR-Codes dem Zoo Osnabrück mit Fantasie-Kontaktdaten einen virtuellen Besuch abstattete, machen es ihm zahlreiche Twitter-User unter dem Hashtag „LucaFail“ gleich. Beispielsweise soll eine virtuelle Luca-Party mit vermeintlich 600.000 Gästen belegen, wie fehleranfällig die App zu sein scheint.

Ikea hält an Luca-App trotz zahlreicher Pannen fest – braucht man sie bald auch bei Privatveranstaltungen?

Bei Ikea setzt man trotzdem auf die Luca-App. Sie ist die momentan wohl am weitesten verbreitete Check-in-App. Zeitgleich drängen laut Spiegel manche Politiker auf eine tiefe Verankerung Lucas im öffentlichen Leben. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise solle Luca außer in Geschäften und Restaurants auch in Kirchen und Moscheen, bei Parteiveranstaltungen sowie bei Trauungen und Beerdigungen und sogar privaten Zusammenkünften zur Dokumentation und Nachverfolgung von Kontakten verwendet werden, heißt es.

Source: merkur

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