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Das starke Geschlecht

2021-04-15T06:05:12.725Z

Eine Frauenquote braucht das Landratsamt Erding wohl nicht wirklich. Fast zwei Drittel der Angestellten sind weiblich. Eine Frauenquote braucht das Landratsamt Erding wohl nicht wirklich. Fast zwei Drittel der Angestellten sind weiblich. Erding – Frauenpower in der Kreisverwaltung: Von den 620 Beamten und Angestellten sind 398 beziehungsweise 64,2 Prozent Frauen und nur 222 Männer, was 35,8 Prozent entspricht. Von den zehn Führungspositionen sind sechs mit Frauen besetzt. Darunter fallen auch die Stellvertreter d



Eine Frauenquote braucht das Landratsamt Erding wohl nicht wirklich. Fast zwei Drittel der Angestellten sind weiblich.

Erding – Frauenpower in der Kreisverwaltung: Von den 620 Beamten und Angestellten sind 398 beziehungsweise 64,2 Prozent Frauen und nur 222 Männer, was 35,8 Prozent entspricht. Von den zehn Führungspositionen sind sechs mit Frauen besetzt. Darunter fallen auch die Stellvertreter des Landrats im Amt. Die Beamten waren zuletzt in erster Linie weiblich.

All das steht im Gleichstellungsbericht von 2016 bis 2020, der jetzt im Kreisausschuss vorgestellt wurde. Angesichts dieser Entwicklung sprach Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) von einer „sehr erfolgreichen Arbeit der Gleichstellungsstelle“, die 18 Jahre lang von Marietta Wolf geleitet wurde. Als Nachfolgerin wurde in der Sitzung Sabine Trettenbacher (46) vorgestellt.

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Die neue Gleichstellungsbeauftragte Sabine Trettenbacher. Die 46-Jährige ist seit 2006 als Juristin in der Behörde, zuletzt als Abteilungsleiterin, Rechtsberaterin des Landrats und im Personalrat. Die Mutter zweier Kinder sieht sich auch als Schnittstelle zu Institutionen wie Kitas, Frauenhaus, Arbeitsamt und Erziehungsberatung.

© Landratsamt Erding

Vor allem Teilzeitmodelle machen die Behörde für weibliche Fachkräfte attraktiv. Zugleich bilden genau diese eher traditionelle Rollenmuster ab. Denn von den 222 Männern arbeiten 190 (85,9 Prozent) in Vollzeit. Von den 398 Frauen haben sich 200 für eine Teilzeitbeschäftigung entschieden, knapp mehr als jede Zweite (50,5 Prozent). Es sind auch im Landratsamt in erster Linie die Frauen, die Familie und Beruf in Einklang bringen müssen (oder wollen).

Der Landkreis kommt ihnen dabei weit entgegen. Bayerstorfer berichtete von insgesamt 158 unterschiedlichen Teilzeitmodellen. Die Wochenarbeitszeiten bewegen sich laut Gleichstellungsbericht zwischen acht und 38 Wochenstunden. Das Gros der Teilzeitbeschäftigten arbeitet in etwa die Hälfte der vollen Arbeitszeit.

Personalchef Harald Wirth bilanzierte in der Sitzung, dass zwar immer mehr Männer in Elternzeit gingen, häufig aber lediglich die minimal möglichen zwei Monate. „Wenn Frauen aus der Familienzeit zurückkehren, dann oft mit reduzierter Stundenzahl“, so Wirth. „Insgesamt sehen wir hier schon noch das klassische Rollenbild.“

Es gibt im Landratsamt aber auch noch echte Männerdomänen: „In der IT und der Technik gibt es bei uns keine Frauen. Auf der anderen Seite sind alle Sozialpädagogenstellen mit Frauen besetzt – bis auf eine.“ Das, so der Personaler weiter, sei aber auch die Bewerberlage. Vorgaben gebe es – natürlich – keine.

Die Frauen werden in der Verwaltung auf dem Vormarsch bleiben. Denn laut Wirth bekommt er deutlich mehr Bewerbungen von Frauen als von Männern auf den Tisch. Laut Gleichstellungsbericht ist man schon darum bemüht, mehr junge Männer anzusprechen.

Bislang mit wenig Erfolg: Mehr als drei Viertel (75,8 Prozent) der 14 Auszubildenden und 15 Beamtenanwärter sind weiblich. Der Bericht vermerkt positiv: „Hier leistet das Landratsamt einen Beitrag, vor allem jungen Frauen eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang berichtete Wirth, dass Frauen in der Regel auch die besseren Zeugnisse vorlegten.

Doch im weiteren Lauf der Karriere setzen sich dann oft alt bekannte Muster durch. Von den 42 Mitarbeitern mit Leitungsfunktionen beziehungsweise deren Stellvertretern sind 25 Männer und 17 Frauen, was einem Verhältnis von 59,5 zu 40,5 Prozent entspricht.

An diesem Punkt hakte Helga Stieglmeier (Grüne) kritisch ein. Sie erkundigte sich nach Konzepten, Frauen gezielt zu fördern. Teilzeit wirke sich schlecht auf Rente und Karrierechancen aus. Auch Führungspositionen würden seltener von (weiblichen) Teilzeitkräften besetzt. Bayerstorfer konterte mit mehreren Namen – von Frauen, die nicht Vollzeit arbeiteten und dennoch Führungsrollen einnähmen.

Angesichts dieser Zahlen mussten die Kreisräte zugeben: Die Verwaltung ist deutlich weiter als die Politik, denn die Kreisgremien sind weiterhin männlich dominiert. Von den 60 Kreisräten sind nur 20 Frauen. Die höchste Frauenquote weist die SPD auf: Drei von fünf Kreisräten sind Frauen. Bei den Grünen hat das Reißverschlussverfahren funktioniert: fünf Männer, fünf Frauen. Unter den 25 CSU-Kreisräten (inklusive Landrat) sind acht Frauen. Deutlich weniger Gleichberechtigung gibt es bei den Freien Wählern: zwei Frauen, neun Männer. Absolutes Schlusslicht bei Frauen im Amt: die AfD. Die fünfköpfige Fraktion ist ein reines Männerbündnis.

Vor diesem Hintergrund mahnte Ulla Dieckmann (SPD) Nachholbedarf an. Es müssten mehr Frauen in die Kommunalparlamente. Bayerstorfer erwiderte: „Die Besetzung erfolgt durch Wahlen und damit durch die Wähler.“ Ein Gesetz, das eine gleichberechtigte Besetzung vorschreibt, gebe es noch nicht.

Auch Wolfgang Reiter (ÖDP) meinte, die Parteien müssten ihre Listenpolitik kritisch hinterfragen. Hier gebe es hinsichtlich Frauenförderung Nachholbedarf.

Das gilt im Übrigen auch für die Landratsriege. Die ist mit Bayerstorfer, Franz Hofstetter (CSU) und Rainer Mehringer (FW) ebenfalls rein männlich. In der vergangenen Wahlperiode gab es zumindest eine Frau: Dritte Landrätin Gertrud Eichinger (SPD).

Die Gleichstellungsstelle

ist unter Tel. (0 81 22) 58 11 06 oder per Mail an gleichstellung@lra-ed.de. erreichbar.

Source: merkur

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